Erster Akt zweite Szene

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Personen
  • Capulet
  • Paris
  • Benvolio
  • Romeo
  • Diener
Inhalt

Paris und Capulet unterhalten sich über die angehender Verheiratung der Tochter des Hauses. Er findet sie sei noch nicht soweit, wobei er sich dann durchringt und zu einem Fest läd, bei dem schöne Damen und Herren auf Brautschau kommen sollen.
Ein Diener wird geschickt die Eingeladenen über das kommende Ereignis zu informieren. Dieser trifft auf Romeo und Benvolio, die auf der Straße spazieren gehen und sich darüber unterhalten wie Romeo über seinen Kummer hinweg finden kann. Da der Diener nicht lesen kann bittet er die beiden die Einladung und Gästeliste vor zu lesen. So erkennt Romeo, dass sich seine angebetete Rosalia auch auf der Gästeliste befindet und wird vom Diener eingeladen zu kommen, solange er nicht zum Hause Capulet gehören würde.
Benvolio ermuntert ihn hin zu gehen, da sich dort viele hübsche Frauen einfinden werden, die Romeo seine unerfüllte Liebe vergessen lassen würden. 

Interpretation

Wieder wird in dieser Szene der Riss zwischen den Familien deutlich: Alle dürfen eingeladen werden, aber keine Mitglieder der Montagues sind auf dem Fest erwünscht. Wie in allen vorangegangenen Szenen und auch im Prolog wird stets betont wie tief der Graben zwischen den verfeindeten Familien ist. Dies macht Shakespeare, um das Publikum für den weiteren Verlauf auf die Ungeheuerlichkeit des Umstandes, das sich Romeo und Julia lieben, einzustimmen.

Die Szene hat komische Elemente und entbehrt nicht einer gewissen Ironie. So fragt der analphabetische Diener ausgerechnet  die zwei Menschen um Hilfe, die am wenigsten auf der Feier erwünscht sein dürften. 

Die Szene beleuchtet zudem die Gesellschaft, und das in mehrfacher Hinsicht:

Die Rolle der Frau

wird anhand der Frage, wen Julia heiraten soll und wie dies entschieden werden kann, verdeutlicht. Nicht Julia selbst befindet darüber wann sie heiratet und wen sie erwählt, sondern dies wird allein von anderen bestimmt. In diesem Fall bestimmt der Vater über sie. Nur seinem milden Charakter ist es zu verdanken, dass er sie nach ihren Wünschen fragt. 

Die Unterschiede der sozialen Stellung von Mann und Frau werden in dieser Szene sehr deutlich gemacht. Julia hat auf Grund der Tatsache, dass sie eine Frau ist, keine Macht über ihr eigenes Leben und über die Entscheidung wen sie heiraten will und wen nicht und wann sie dies macht.

Die Gesellschaftsschichten unterscheiden sich nicht nur durch ihre Tätigkeiten, also dadurch welchen Beruf sie ausüben. In der Gesellschaft, in der Romeo und Julia leben, ist es normal, dass es Diener und Herrscher gibt und das es Menschen gibt, die anderen untergeben sind. Jedoch wird an Hand des Dienstboten verdeutlicht, dass die Angehörigen der niederen Gesellschaftsschichten auch über wenig Bildung verfügen. Der Dienstbote, der den Gästen ihre Einladung zukommen lassen soll, kann nicht lesen. 

Romeo ist noch immer gefangen in seiner unglücklichen Liebe. Diese dient dem Autor dazu einen Kontrast zur der kommen Liebesbeziehung mit Julia herzustellen. Zudem erzeugt der Umstand, dass Romeos Herz noch jemand anderes gehört, Spannung und Neugier. Der Zuschauer fragt sich, wann sich denn die Liebenden, die dem Stück seinen Namen geben, treffen und kennen lernen. Außerdem soll Romeos Schmachten seinen Charakter verdeutlichen, es stellt ihn als einen kopflosen Liebhaber dar, der durch eine Frau fast den Verstand verliert und sich ganz und gar, emotional und in Gedanken, in eine Liebe fallen lässt.

In diesem Abschnitt des Stückes bekommen die Zuschauer bereits eine Ahnung von dem was passieren wird, sie können erahnen, dass Romeo und Julias Kennenlernen unmittelbar bevor steht und das sich die Geschichte, auf welche sie ja gespannt warten, nun bald beginnen wird.

Themen
  • Feinschaft zwischen den Häusern
  • Gesellschaft der damaligen Zeit
  • Möglichkeiten der Partnerwahl in besseren Kreisen
  • Liebeskummer

Funktion der Szene / Interpretation der ersten Szene im ersten Akt von Romeo und Julia

Kommentierter Originaltext

ZWEITE SZENE
Eine Straße
Capulet, Paris und ein Diener kommen.
CAPULET
Und Montague ist mit derselben Buße
Wie ich bedroht? Für Greise, wie wir sind,
Ist Frieden halten, denk ich, nicht so schwer.
PARIS
Ihr geltet beid als ehrenwerte Männer,
Und Jammer ists um Euren langen Zwiespalt.
Doch, edler Graf, wie dünkt Euch mein Gesuch?
CAPULET
Es dünkt mich so, wie ich vorhin gesagt.
Mein Kind ist noch ein Fremdling in der Welt,
Sie hat kaum vierzehn Jahre wechseln sehn.
Laßt noch zwei Sommer prangen und verschwinden,
Eh wir sie reif, um Braut zu werden, finden.
PARIS
Noch jüngre wurden oft beglückte Mütter.
CAPULET
Wer vor der Zeit beginnt, der endigt früh.
All meine Hoffnungen verschlang die Erde;
Mir blieb nur dieses hoffnungsvolle Kind.
Doch werbt nur, lieber Graf! Sucht Euer Heil!
Mein Will ist von dem ihren nur ein Teil.
Wenn sie aus Wahl in Eure Bitten willigt,
So hab ich im voraus ihr Wort gebilligt,
Ich gebe heut ein Fest, von alters hergebracht,
Und lud darauf der Gäste viel zu Nacht,
Was meine Freunde sind: Ihr, der dazu gehöret,
Sollt hoch willkommen sein, wenn Ihr die Zahl vermehret.
In meinem armen Haus sollt Ihr des Himmels Glanz
Heut nacht verdunkelt sehn durch irdscher Sterne Tanz.
Wie muntre Jünglinge mit neuem Mut sich freuen,
Wenn auf die Fersen nun der Fuß des holden Maien
Dem lahmen Winter tritt: die Lust steht Euch bevor,
Wann Euch in meinem Haus ein frischer Mädchenflor
Von jeder Seit umgibt. Ihr hört, Ihr seht sie alle,
Daß, die am schönsten prangt, am meisten Euch gefalle.
Dann mögt Ihr in der Zahl auch meine Tochter sehn,
Sie zählt für eine mit, gilt sie schon nicht für schön.
Kommt, geht mit mir! - Du, Bursch, nimm das Papier mit Namen,
Trab in der Stadt herum, such alle Herrn und Damen,
So hier geschrieben stehn,
übergibt ein Papier                             und sag mit Höflichkeit:
Mein Haus und mein Empfang steh ihrem Dienst bereit.
Capulet und Paris gehen ab.
Capulet und Paris unterhalten sich über die Tochter von Capulets, welche verheiratet werden soll. Er findet, dass sie noch ein wenig Zeit hätte, bis es so weit ist, jedoch gibt Paris zu bedenken, dass weitaus jüngere Mädchen schon verheiratet sind. Er schickt einen Diener um Leute ausfindig zu machen. 
DIENER
Die Leute soll ich suchen, wovon die Namen hier geschrieben stehn? Es steht geschrieben, der Schuster soll sich um seine Elle kümmern, der Schneider um seinen Leisten, der Fischer um seinen Pinsel, der Maler um seine Netze. Aber mich schicken sie, um die Leute ausfindig zu machen, wovon die Namen hier geschrieben stehn, und ich kann doch gar nicht ausfindig machen, was für Namen der Schreiber hier aufgeschrieben hat.
Ich muß zu den Gelahrten! - Ah, gut Glück!

Der Diener beklagt sich darüber, dass er schickt wird die Geladenen ausfindig zu machen. 

Benvolio und Romeo kommen.
BENVOLIO
Pah, Freund! Ein Feuer brennt das andre nieder;
Ein Schmerz kann eines andern Qualen mindern.
Dreh dich in Schwindel, hilf durch Drehn dir wieder!
Fühl andres Leid, das wird dein Leiden lindern!
Saug in dein Auge neuen Zaubersaft,
So wird das Gift des alten fortgeschafft.
ROMEO
Ein Blatt vom Wegrich dient dazu vortrefflich.
BENVOLIO
Ei sag, wozu?
ROMEO
               Für dein zerschlagnes Bein.
BENVOLIO
Was, Romeo, bist du toll?
ROMEO
Nicht toll, doch mehr gebunden wie ein Toller,
Gesperrt in einen Kerker, ausgehungert,
Gegeißelt und geplagt, und -
[zu dem Diener]                                Guten Abend, Freund!
DIENER
Gott grüß Euch, Herr! Ich bitt Euch, könnt Ihr lesen?
ROMEO
Jawohl, in meinem Elend mein Geschick.
DIENER
Vielleicht habt Ihr das auswendig gelernt. Aber sagt, könnt Ihr alles vom Blatte weglesen?
ROMEO
Ja freilich, wenn ich Schrift und Sprache kenne.
DIENER
Ihr redet ehrlich. Gehabt Euch wohl!
ROMEO
Wart! Ich kann lesen, Bursch.


Romeo und Benvolio gehen auf der Straße und unterhalten sich. Benvolio erklärt, dass ein Leid vom dem anderen Leid ablenkt. Der Diener kommt hinzu und fragt sie ob sie lesen können. 

Er liest [das Verzeichnis].
Signor Martino und seine Frau und Töchter; Graf Anselm und seine reizenden Schwestern; die verwitwete Freifrau von Vitruvio; Signor Placentio und seine artigen Nichten; Mercutio und sein Bruder Valentin; mein Oheim Capulet, seine Frau und Töchter; meine schöne Nichte Rosalinde; Livia; Signor Valentio und sein Vetter Tybalt; Lucio und die muntre Helena.
[Gibt das Papier zurück.] 
Ein schöner Haufe!

Gibt das Papier zurück. 

                         Wohin lädst du sie?
DIENER
Hinauf.
ROMEO
Wohin?
DIENER
Zum Abendessen in unser Haus.
ROMEO
Wessen Haus?
DIENER
Meines Herrn.
ROMEO
Das hätt ich freilich eher fragen sollen.
DIENER
Nun will ichs Euch ohne Fragen erklären. Meine Herrschaft ist der große, reiche Capulet, und wenn Ihr nicht vom Hause der Montagues seid, so bitt ich Euch, kommt, stecht eine Flasche Wein mit aus. Gehabt Euch wohl!

Geht ab.

BENVOLIO
Auf diesem hergebrachten Gastgebot
Der Capulets speist deine Rosalinde
Mit allen Schönen, die Verona preist.
Geh hin, vergleich mit unbefangnem Auge
Die andern, die du sehen sollst, mit ihr;
Was gilts? Dein Schwan dünkt eine Krähe dir.
ROMEO
Höhnt meiner Augen frommer Glaube je
Die Wahrheit so, dann, Tränen, werdet Flammen!
Und ihr, umsonst ertränkt in manchem See,
Mag eure Lüg als Ketzer euch verdammen!
Ein schönres Weib als sie? Seit Welten stehn,
Hat die allsehnde Sonn es nicht gesehn.
BENVOLIO
Ja, ja, du sahst sie schön, doch in Gesellschaft nie,
Du wogst nur mit sich selbst in jedem Auge sie;
Doch leg einmal zugleich in die kristallnen Schalen
Der Jugendreize Bild, wovon auch andre strahlen,
Die ich dir zeigen will bei diesem Fest vereint;
Kaum leidlich scheint dir dann, was jetzt ein Wunder scheint.
ROMEO
Gut, ich begleite dich. Nicht um des Schauspiels Freuden:
An meiner Göttin Glanz will ich allein mich weiden.

Beide ab.

Der Diener händigt ihnen das Schriftstück aus und schläft vor, dass sie auch vorbei kommen, solange sie nicht dem Hause Capulet angehören. Benvolio schlägt vor, dass Romeo zu dem Bankett gehen soll, da sich dort alle hübschen Frauen versammeln werden. Er erklärt, dass die angebetete Rosalie ihm dann nicht mehr so schön vorkommen wird, wenn er sie im Vergleich zu den anderen Damen wahrnimmt. Romeo willigt ein ihn zu begleiten.

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