Fünfter Akt dritte Szene



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  • Gräfin Montague
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Inhalt
In der letzten Szene trifft Romeo bei seiner Julia ein. Seinen Diener schickt er fort dieser wartet  aber heimlich auf dem Friedhof. Er findet sie tot vor und  ist außer sich vor Leid. Paris kommt hinzu und erwischt ihn, es kommt zu einem Kampf bei dem Paris stift. Rome vergiftet sich aus Kummer über den Tod Julias. Julia erwacht, findet Paris und Romeo tot vor und ersticht sich.
Lorenzo eilt herbei um die schlafende Julia zu retten, jedoch kommen ihm die Wächter zuvor. Sie treffen die Toten an und stellen fest, dass Julia noch warm ist. Sie finden auch Lorenzo und Baltasar vor, den Diener Romeos. Beide werden beschuldigt und dem Prinzen zur Klärung der Ereignisse vorgestellt.
Währenddessen kommen die Famlien Capulet und Montague herbei und betrauern ihre Kinder. Sie versöhnen  sich über den Toten und der Prinz will erst am nächsten Tag sein Urteil sprechen.
Themen



Funktion der Szene / Interpretation der ersten Szene im ersten Akt von Romeo und Julia

Kommentierter Originaltext

DRITTE SZENE

Ein Kirchhof; auf demselben das Familienbegräbnis der Capulets
Paris und sein Page, mit Blumen und einer Fackel, treten auf.
PARIS
Gib mir die Fackel, Bursch, und halt dich fern! -Nein, lösch sie aus! Man soll mich hier nicht sehn.Dort unter jenen Eiben streck dich hinUnd leg dein Ohr dicht an den hohlen Grund,So kann kein Fuß auf diesen Kirchhof treten,Der locker aufgewühlt von vielen Gräbern,Daß du's nicht hörtest; pfeife dann mir zu,Zum Zeichen, daß du etwas nahen hörst.Gib mir die Blumen, tu, wie ich dir sagte!PAGEbeiseit. Fast grauet mir, so auf dem Kirchhof hierAllein zu bleiben, doch ich will es wagen.Entfernt sich.PARISSüße Blume, mit Blumen dein Brautbett ich bestreu.O weh, dein Baldachin ist Staub und Stein!Mit süßem Wasser nächtlich will ichs tauen,Und fehlts daran, mit schmerzzerpreßten Tränen.Die Totenfeier, nächtlich dir zu weihn:Dein Grab bestreun und weinen soll es sein.Der Knabe pfeift.Der Bube gibt ein Zeichen; jemand naht.Welch ein verdammter Fuß kommt dieses Wegs,Und stört die Leichenfeier frommer Liebe?Mit einer Fackel? Wie? Verhülle, Nacht,Ein Weilchen mich.Er tritt beiseite. Romeo und Balthasar, mit einer Fackel, Haue usw.
Paris will seine Braut auf dem Friedhof besuhen und ihr Grab bestreuen als Romeo und Baltasar kommen. 
ROMEO
Gib mir das Eisen und die Haue her!
Nimm diesen Brief; frühmorgens siehe zu,
Daß du ihn meinem Vater überreichst.
Gib mir das Licht; aufs Leben bind ichs dir,
Was du auch hörst und siehst, bleib in der Ferne
Und unterbrich mich nicht in meinem Tun.
Ich steig in dieses Totenbett hinab,
Teils meiner Gattin Angesicht zu sehn,
Vornehmlich aber einen kostbarn Ring
Von ihrem toten Finger abzuziehn,
Den ich zu einem wichtgen Werk bedarf.
Drum auf und geh! Und kehrest du zurück,
Vorwitzig meiner Absicht nachzuspähn,
Bei Gott, so reiß ich dich in Stücke, säe
Auf diesen giergen Boden deine Glieder.
Die Nacht und mein Gemüt sind wütend wild,
Viel grimmer und viel unerbittlicher
Als durstge Tiger und die wüste See.
BALTHASAR
So will ich weggehn, Herr, und Euch nicht stören.
ROMEO
Dann tust du als mein Freund. Nimm, guter Mensch!
Leb und sei glücklich und gehab dich wohl!
BALTHASAR
[für sich.] Trotz allem dem will ich mich hier verstecken;
Ich trau ihm nicht, sein Blick erregt mir Schrecken.
Entfernt sich.

Romeo schickt Baltasar fort und droht ihm, damit er nicht schauen möge. Baltasar vertraut Romeo nicht und will sich versteckt halten 

ROMEO
O du verhaßter Schlund, du Bauch des Todes,
Der du der Erde Köstlichstes verschlangst,
So brech ich deine morschen Kiefer auf
Er bricht die Tür des Grabmals auf. Und will, zum Trotz, noch mehr dich überfüllen.
[Er bricht die Tür des Gewölbes auf.]PARIS
Ha, der verbannte, stolze Montague,
Der Juliens Vetter mordete; man glaubt,
An diesem Grame starb das holde Wesen.
Hier kommt er jetzt, um niederträchtgen Schimpf
Den Leichen anzutun; ich will ihn greifen!
Tritt hervor.

Romeo begibt sich in die Gruft von Julia und wird von Paris dabei beobachtet. Dieser glaubt er wolle Leichen schänden und will eingreifen.
Laß dein verruchtes Werk, du Montague!
Wird Rache übern Tod hinaus verfolgt?
Verdammter Bube, ich verhafte dich;
Gehorch und folge mir, denn du mußt sterben.
ROMEO
Fürwahr, das muß ich; darum kam ich her.
Versuch nicht, guter Jüngling, den Verzweifelnden!
Entflieh und laß mich; denke dieser Toten!
Laß sie dich schrecken! - Ich beschwör dich, Jüngling,
Lad auf mein Haupt nicht eine neue Sünde,
Wenn du zur Wut mich reizest; geh, o geh,
Bei Gott, ich liebe mehr dich wie mich selbst,
Denn gegen mich gewaffnet komm ich her.
Fort, eile, leb und nenn barmherzig ihn,
Den Rasenden, der dir gebot zu fliehn!
PARIS
Ich kümmre mich um dein Beschwören nicht
Und greife dich als Missetäter hier.
ROMEO
Willst du mich zwingen? Knabe, sieh dich vor!
Sie fechten.

Paris meint, dass Romeo wegen Leichenschändung sterben müsste und beginnt einen Fechtkampf mit Romeo
PAGE
Sie fechten! Gott, ich will die Wache rufen.
PARIS
O ich bin hin! -
Fällt.

                  Hast du Erbarmen, öffne
Die Gruft und lege mich zu Julien.
Er stirbt.

ROMEO
Auf Ehr, ich wills. - Laßt sein Gesicht mich schaun.
Mercutios edler Vetter ists, Graf Paris.
Was sagte doch mein Diener, weil wir ritten,
Als die bestürmte Seel es nicht vernahm?
Ich glaube, Julia habe sich mit Paris
Vermählen sollen: sagt' er mir nicht so?
Wie, oder träumt ichs? Oder bild ichs mir
Im Wahnsinn ein, weil er von Julien sprach?
O gib mir deine Hand, du, so wie ich,
Ins Buch des herben Unglücks eingezeichnet!
Ich bette dich in eine stolze Gruft.
Doch Gruft? Nein, helle Wölbung, Jungerschlagner!
Denn hier liegt Julia: ihre Schönheit macht
Dies Grab zur Feierhalle voll von Licht.
Toter, lieg da, von totem Mann begraben!
Er legt Paris in das Begräbnis.

Wie oft sind Menschen, schon des Todes Raub,
Noch fröhlich worden! Ihre Wärter nennens
Den letzten Lebensblitz. Wohl mag nun dies
Ein Blitz mir heißen. - O mein Herz! Mein Weib!
Der Tod, der deines Odems Balsam sog,
Hat über deine Schönheit nichts vermocht.
Noch bist du nicht besiegt; der Schönheit Fahne
Weht purpurn noch auf Lipp und Wange dir;
Hier pflanzte nicht der Tod sein bleiches Banner. -
Liegst du da, Tybalt, in dem blutgen Tuch?
O welchen größern Dienst kann ich dir tun,
Als mit der Hand, die deine Jugend fällte,
Des Jugend, der dein Feind war, zu zerreißen?
Vergib mir, Vetter! - Liebe Julia,
Warum bist du so schön noch? Soll ich glauben,
Der körperlose Tod entbrenn in Lieb
Und der verhaßte, hagre Unhold halte
Als seine Buhle hier im Dunkeln dich?
Aus Furcht davor will ich dich nie verlassen
Und will aus diesem Palast dichter Nacht
Nie wieder weichen. Hier, hier will ich bleiben
Mit Würmern, so dir Dienerinnen sind.
O hier bau ich die ewge Ruhstatt mir
Und schüttle von dem lebensmüden Leibe
Das Joch feindseliger Gestirne. - Augen,
Blickt euer Letztes! Arme, nehmt die letzte
Umarmung! Und, o Lippen, ihr, die Tore
Des Odems, siegelt mit rechtmäßgem Kusse
Den ewigen Vertrag dem Wuchrer Tod.
Komm, bittrer Führer, widriger Gefährt,
Verzweifelter Pilot! Nun treib auf einmal
Dein sturmerkranktes Schiff in Felsenbrandung!
Dies auf dein Wohl, wo du auch stranden magst!
Dies meiner Lieben! -
Er trinkt.

                       O wackrer Apotheker,
Dein Trank wirkt schnell. - Und so im Kusse sterb ich.
Er stirbt, Bruder Lorenzo kommt vom andern Ende des Kirchhofes mit Laterne Brecheisen und Spaten.


Romeo tötet Paris und äußert sich in einem Monolog. Er will nun auch sterben und trinkt den Gifttrunk. Bruder Lorenzo kommt und will die Kammer aufbrechen
LORENZO
Helf mir Sankt Franz! Wie oft sind über Gräber
Nicht meine alten Füße heut gestolpert.
Wer ist da?
Wer ists, der noch so spät zu Toten geht? [Fußnote]BALTHASAR
Ein Freund, und einer, dem Ihr wohl bekannt.
LORENZO
Gott segne dich! Sag mir, mein guter Freund,
Welch eine Fackel ists, die dort ihr Licht
Umsonst den Würmern leiht und blinden Schädeln?
Mir scheint, sie brennt in Capulets Begräbnis.
BALTHASAR
Ja, würdger Pater, und mein Herr ist dort,
Ein Freund von Euch.
LORENZO
                      Wer ist es?
BALTHASAR
                                   Romeo.
LORENZO
Wie lange schon?
BALTHASAR
                  Voll eine halbe Stunde.
LORENZO
Geh mit mir zu der Gruft!
BALTHASAR
                           Ich darf nicht, Herr.
Mein Herr weiß anders nicht, als ich sei fort,
Und drohte furchtbarlich den Tod mir an,
Blieb ich, um seinen Vorsatz auszuspähn.
LORENZO
So bleib, ich geh allein. - Ein Graun befällt mich;
Oh, ich befürchte sehr ein schlimmes Unglück!
BALTHASAR
Derweil ich unter dieser Eibe schlief,
Träumt ich, mein Herr und noch ein andrer föchten,
Und er erschlüge jenen.

Lorenzo trifft  auf Romeos Diener Balthasar, der sich auf dem Friedhof aufhällt. Lorenzo ahnt bereits Böses und sucht die Gruft auf.


LORENZO
                         Romeo?
Er geht weiter nach vorn.O wehe, weh mir! Was für Blut befleckt
Die Steine hier an dieses Grabmals Schwelle?
Was wollen diese herrenlosen Schwerter,
Daß sie verfärbt hier liegen an der Stätte
Des Friedens?
Er geht in das Begräbnis.               Romeo? - Ach, bleich! - Wer sonst?
Wie? Paris auch? Und in sein Blut getaucht?
O welche unmitleidge Stund ist schuld
An dieser kläglichen Begebenheit? -
Das Fräulein regt sich.

Lorenzo findet Romeo in der Gruft vor. Er und Paris sind beide tot.
JULIA
erwachend.
O Trostesbringer! Wo ist mein Gemahl?
Ich weiß recht gut noch, wo ich sollte sein;
Da bin ich auch. Wo ist mein Romeo?

Geräusch von Kommenden.

LORENZO
Ich höre Lärm. - Kommt, Fräulein, flieht die Grube
Des Tods, der Seuchen, des erzwungnen Schlafs;
Denn eine Macht, zu hoch dem Widerspruch,
Hat unsern Rat vereitelt. Komm, o komm!
Dein Gatte liegt an deinem Busen tot,
Und Paris auch; komm, ich versorge dich
Bei einer Schwesternschaft von heilgen Nonnen.
Verweil mit Fragen nicht; die Wache kommt.
Geh, gutes Kind!

Geräusch hinter der Szene.

                  Ich darf nicht länger bleiben.

[Ab.]

JULIA
Geh nur, entweich, denn ich will nicht von hinnen. -

Bruder Lorenzo geht ab. 

Julia erwacht und  findet die Szenerie vor. Lorenzo versucht ihr alles zu erklären und sie dazu zu bewegen mit ihm weg zu gehen. Sie stimmt aber nicht zu und so geht Lorenzo als die Wachen kommen.

Was ist das hier? Ein Becher, festgeklemmt
In meines Trauten Hand? - Gift, seh ich, war
Sein Ende vor der Zeit. - O Böser! Alles
Zu trinken, keinen gütgen Tropfen mir
Zu gönnen, der mich zu dir brächt? - Ich will
Dir deine Lippen küssen. Ach, vielleicht
Hängt noch ein wenig Gift daran und läßt mich
An einer Labung sterben.
Sie küßt ihn.                          Deine Lippen
Sind warm.
ERSTER WÄCHTER
hinter der Szene.            Wo ist es, Knabe? Führ uns!
JULIA
Wie? Lärm? - Dann schnell nur!
[Sie ergreift Romeos Dolch.]                                 O willkommner Dolch!
Sie ergreift Romeos Dolch. Dies werde deine Scheide.
Ersticht sich.                           Roste da
Und laß mich sterben!
Sie fällt auf Romeos Leiche und stirbt. Wächter mit dem Pagen des Paris.

Julia klagt über Romeos Tod, nimmt seinen Dolch und bringt sich damit um, als sie die Wachen kommen hört
PAGE
Dies ist der Ort, da, wo die Fackel brennt.
ERSTER WÄCHTER
Der Boden ist voll Blut; durchsucht den Kirchhof,
Ein paar von euch; geht, greifet, wen ihr trefft.

Einige von der Wache ab.

Betrübt zu sehn! Hier liegt der Graf erschlagen,
Und Julia blutend, warm und kaum verschieden,
Die schon zwei Tage hier begraben lag. -
Geht, sagts dem Fürsten! Weckt die Capulets!
Lauft zu den Montagues! Ihr andern sucht!

Andre Wächter ab.

Wir sehn den Grund, der diesen Jammer trägt;
Allein den wahren Grund des bittern Jammers
Erfahren wir durch näh're Kundschaft nur.

Einige von der Wache kommen mit Balthasar zurück.

ZWEITER WÄCHTER
Hier ist der Diener Romeos; wir fanden
Ihn auf dem Kirchhof.
ERSTER WÄCHTER
Bewahrt ihn sicher, bis der Fürst erscheint!

[Ein andrer] Andere Wächter kommen zurück mit Lorenzo.

Die Wächter treten herein und finden die Toten vor Sie erkennen, dass Julia noch warm ist und schicken aus nach den Capulets
DRITTER WÄCHTER
Hier ist ein Mönch, der zittert, weint und ächzt;
Wir nahmen ihm den Spaten und die Haue,
Als er von jener Seit des Kirchhofs kam.

ERSTER WÄCHTER

Verdächtges Zeichen! Haltet auch den Mönch!
Der Prinz und sein Gefolge.
PRINZ
Was für ein Unglück ist so früh schon wach,
Das Uns aus Unsrer Morgenruhe stört?
Capulet, Gräfin Capulet und andre kommen.

Die Wächter finden Lorenzo vor, dieser zittert und weint. Sie vermuten, dass er hinter dem Ganzen steht und verdächtigen ihn. Das Ehepaar Capulet kommt. 
CAPULET
Was ists, daß draußen so die Leute schrein?
GRÄFIN CAPULET
Das Volk ruft auf den Straßen: »Romeo«
Und »Julia« und »Paris«; alles rennt
Mit lautem Ausruf unserm Grabmal zu.
PRINZ
Welch Schrecken ists, das Unser Ohr betäubt?
ERSTER WÄCHTER
Durchlauchtger Herr, entleibt liegt hier Graf Paris;
Tot Romeo; und Julia, tot zuvor,
Noch warm und erst getötet.
PRINZ
Sucht, späht, erforscht die Täter dieser Greuel!
ERSTER WÄCHTER
Hier ist ein Mönch und Romeos Bedienter;
Man fand Gerät bei ihnen, das die Gräber
Der Toten aufzubrechen dient.
CAPULET
                               O Himmel!
O Weib! Sieh hier, wie unsre Tochter blutet.
Der Dolch hat sich verirrt; sieh seine Scheide
Liegt ledig auf dem Rücken Montagues,
Er selbst steckt fehl in unsrer Tochter Busen.
GRÄFIN CAPULET
O weh mir! Dieser Todesanblick mahnt
Wie Grabgeläut mein Alter an die Grube.

Montague und andre kommen.

PRINZ
Komm, Montague! Früh hast du dich erhoben,
Um früh gefallen deinen Sohn zu sehn.
MONTAGUE
Ach, gnädger Fürst, mein Weib starb diese Nacht;
Gram um des Sohnes Bann entseelte sie.
Welch neues Leid bricht auf mein Alter ein?
PRINZ
Schau hin, und du wirst sehn.
MONTAGUE
O Ungeratner! Was ist das für Sitte,
Vor deinem Vater dich ins Grab zu drängen?
PRINZ
Versiegelt noch den Mund des Ungestüms,
Bis wir die Dunkelheiten aufgehellt
Und ihren Quell und wahren Ursprung wissen.
Dann will ich Eurer Leiden Hauptmann sein
Und selbst zum Tod Euch führen. - Still indes!
Das Mißgeschick sei Sklave der Geduld. -
Führt die verdächtigen Personen vor!

Der Prinz und die Montagues kommen zu den Capuets hinzu. Alle  sind entstetzt und der Prinz will die Situation mit den Beschuldigten klären
LORENZO
Mich trifft, obschon den Unvermögendsten,
Am meisten der Verdacht des grausen Mordes,
Weil Zeit und Ort sich gegen mich erklärt.
Hier steh ich, mich verdammend und verteidgend,
Der Kläger und der Anwalt meiner selbst.
PRINZ
So sag ohn Umschweif, was du hievon weißt!
LORENZO
Kurz will ich sein, denn kurze Frist des Atems
Versagt gedehnte Reden. Romeo,
Der tot hier liegt, war dieser Julia Gatte,
Und sie, die tot hier liegt, sein treues Weib.
Ich traute heimlich sie, ihr Hochzeittag
War Tybalts letzter, des unzeitger Tod
Den jungen Gatten aus der Stadt verbannte;
Und Julia weint' um ihn, nicht um den Vetter.
Ihr, um den Gram aus ihrer Brust zu treiben,
Verspracht und wolltet sie dem Grafen Paris
Vermählen mit Gewalt. Da kommt sie zu mir
Mit wildem Blick, heißt mich auf Mittel sinnen,
Um dieser zweiten Heirat zu entgehn,
Sonst wollt in meiner Zelle sie sich töten.
Da gab ich, so belehrt durch meine Kunst,
Ihr einen Schlaftrunk; er bewies sich wirksam
Nach meiner Absicht, denn er goß den Schein
Des Todes über sie. Indessen schrieb ich
An Romeo, daß er sich herbegäbe
Und hülf aus dem erborgten Grab sie holen
In dieser Schreckensnacht, als um die Zeit,
Wo jenes Trankes Kraft erlösche. Doch
Den Träger meines Briefs, den Bruder Markus,
Hielt Zufall auf, und gestern abend bracht er
Ihn mir zurück. Nun ging ich ganz allein
Um die bestimmte Stunde des Erwachens,
Sie zu befrein aus ihrer Ahnen Gruft,
Und dacht in meiner Zelle sie zu bergen,
Bis ich es Romeo berichten könnte.
Doch wie ich kam, Minuten früher nur,
Eh sie erwacht', fand ich hier tot zu früh
Den treuen Romeo, den edlen Paris.
Jetzt wacht' sie auf; ich bat sie, fortzugehn
Und mit Geduld des Himmels Hand zu tragen;
Doch da verscheucht' ein Lärm mich aus der Gruft.
Sie, in Verzweiflung, wollte mir nicht folgen
Und tat, so scheints, sich selbst ein Leides an.
Dies weiß ich nur; und ihre Heirat war
Der Wärterin vertraut. Ist etwas hier
Durch mich verschuldet, laßt mein altes Leben,
Nur wenig Stunden vor der Zeit, der Härte
Des strengsten Richterspruchs geopfert werden.
PRINZ
Wir kennen dich als einen heilgen Mann. -
Wo ist der Diener Romeos? Was sagt er?
BALTHASAR
Ich brachte meinem Herrn von Juliens Tod
Die Zeitung, und er ritt von Mantua
In Eil zu diesem Platz, zu diesem Grabmal.
Den Brief hier gab er mir für seinen Vater,
Und drohte Tod mir, als er in die Gruft ging,
Wo ich mich nicht entfernt und dort ihn ließe.
PRINZ
Gib mir den Brief; ich will ihn überlesen. -
Wo ist der Bub des Grafen, der die Wache
Geholt? - Sag, Bursch, was machte hier dein Herr?
PAGE
Er kam, um Blumen seiner Braut aufs Grab
Zu streun, und hieß mich fern stehn, und das tat ich.
Drauf naht' sich wer mit Licht, das Grab zu öffnen,
Und gleich zog gegen ihn mein Herr den Degen;
Alsbald lief ich davon und holte Wache.

Lorenzo und der Diener Romeos erklären dem Prinz was geschehen ist. 
PRINZ
Hier dieser Brief bewährt das Wort des Mönchs,
Den Liebesbund, die Zeitung ihres Todes;
Auch schreibt er, daß ein armer Apotheker
Ihm Gift verkauft, womit er gehen wolle
Zu Juliens Gruft, um neben ihr zu sterben. -
Wo sind sie, diese Feinde? - Capulet, Montague!
Seht, welch ein Fluch auf eurem Hasse ruht,
Daß Liebe eure Freuden töten muß!
Und ich, weil ich dem Zwiespalt nachgesehn,
Verlor auch zwei Verwandte. Alle büßen.
CAPULET
O Bruder Montague, gib mir die Hand!
Das ist das Leibgedinge meiner Tochter,
Denn mehr kann ich nicht fordern.
MONTAGUE
                                   Aber ich
Vermag dir mehr zu geben; denn ich will
Aus klarem Gold ihr Bildnis fertgen lassen.
Solang Verona seinen Namen trägt,
Komm nie ein Bild an Wert dem Bilde nah
Der treuen, liebevollen Julia.
CAPULET
So reich will ich es Romeo bereiten.
O arme Opfer unsrer Zwistigkeiten!
PRINZ
Nur düstern Frieden bringt uns dieser Morgen;
Die Sonne scheint, verhüllt vor Weh, zu weilen.
Kommt, offenbart mir ferner, was verborgen,
Ich will dann strafen oder Gnad erteilen,
Denn nie verdarben Liebende noch so
Wie diese: Julia und ihr Romeo.

Alle ab.
Die Capulets und Montagues versöhnen sich über den Toten und der Prinz will bis morgen warten mit seinem Urteil

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2.Akt
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3. Akt
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